
GEBURTSFOTOGRAFIE JONTE
Geburt im Krankenhaus
Der Wille macht’s möglich
Sollen wir es wirklich wagen?
Diese Geburtsbegleitung wäre fast nicht zustande gekommen. Denn Meike hatte bereits 2 Söhne, die beide ungeplant per Kaiserschnitt zu Welt kamen. Die Wahrscheinlichkeit, dass das dritte Kind ebenfalls per Kaiserschnitt auf die Welt kommen würde, war also sehr hoch. Und in diesem Fall wäre Geburtsfotografie in Meike’s Wunschklinik ausgeschlossen gewesen. Also galt es vorab alle Eventualitäten zu besprechen und einen Plan B parat zu haben. Glücklicherweise einigen wir uns schnell und da Meike’s Wunsch nach Geburtsbildern so groß war, nahmen wir das Risiko in Kauf, dass es evtl. „nur“ eine Begleitung der Wehenarbeit vor und die ersten Kuschel- und Stillmomente nach dem Kaiserschnitt wird. Und so begann meine Bereitschaft für diese Geburtsreportage Ende August.
Dieses Mal kam der Anruf um 7:51 Uhr morgens. Meike’s Fruchtblase war geplatzt. Sie hatte noch keine Wehen, aber sie wusste: heute kommt unser Baby. Ich hatte nun noch etwas Zeit. Um 9:47 Uhr bekam ich die Info, dass sich die beiden auf den Weg in die Hochtaunuskliniken in Bad Homburg machen. Die ersten Wehen wurden mir dann um 10:33 Uhr gemeldet und 10 Minuten später hab ich ebenfalls auf den Weg in die Klinik gemacht – immerhin hatte ich fast 1 Std. Fahrt vor mir.
Um kurz vor 12 kam ich im Kreißsaal an. Meike war am CTG angeschlossen und versuchte mit geschlossenen Augen noch etwas Kraft zu tanken während Manuel als Selbstständiger die Zeit am Laptop nutze. Auch solche Moment gehören zur Geburtsfotografie.
Es dauert noch
Gegen 12:30 Uhr wurden wir aus dem Kreißsaal erst nochmal auf Station geschickt. Zu dem Zeitpunkt war der Muttermund 3 cm geöffnet. Wir sollen um 15:30 Uhr wiederkommen. Und weil das Wetter so schön und Meike‘s Wehen noch gut zu veratmen waren, sind wir rausgegangen. Hier wurde sich anhand der mitgebrachten Snacks gestärkt, etwas Sonne und frische Luft getankt – der gemütliche Teil der Geburtsfotografie.
Zunächst waren die Wehen Meike noch nicht so wirklich anzumerken. Sie antwortet bloß nicht mehr auf Fragen. Langsam wurden sie stärker. Gegen 13:45 Uhr machten wir uns auf den Weg zurück ins Stationszimmer. Dieser dauerte nun etwas länger, denn alle paar Meter legte Meike einen Wehen-Stop ein.
Im Zimmer angekommen, wurde das Tens-Gerät – ein Gerät, was das Schmerzempfinden unter der Geburt verringern soll – angeschlossen und getestet. Leider haben die beiden erst dann erfahren, dass das Gerät bereits viel früher zum Einsatz hätte kommen können, um die Endorphinausschüttung optimal zu beeinflussen. Der Druck nach unten wurde immer stärker und so machen wir uns um 14:48 Uhr wieder auf den Weg in den Kreißsaal.
Zweifel und der Wunsch nach Kaiserschnitt
Auf der Entbindungsstation angekommen wurden wir direkt und sehr herzlich von Hebamme Katja Lindner de Alvarez und einer Hebammenstudentin begrüßt und ins nächste Wehenzimmer gebracht. Hier wurde es schnell immer intensiver. Manuel’s liebevoller Sarkasmus kam nun bei Meike nicht mehr an. Die Schmerzen waren so stark – Meike ließ sich in den Wehenpausen, die immer kürzer wurden, weder zum Lachen bringen und noch beteiligte sie sich an Namensdiskussionen, denn, dass ihr Sohn Jonte heißen soll, wusste zu dem Zeitpunkt noch niemand.
Nun wollte sie nicht mehr. „Schneidet mich auf, holt ihn raus“, bat sie die Hebamme mit schmerzverzerrter Miene. Doch Hebamme Katja begegnete Meike mit viel Empathie und dem Wissen, dass sie genau das eigentlich gar nicht will und zumindest Stand jetzt auch gar nicht braucht. Meike wurde untersucht und dabei der Darm geleert, denn hier kam der starke Druck nach unten her. Nun öffnete sich auch der Muttermund ein gutes Stück weiter, sodass Meike in den Kreißsaal gebracht werden konnte.
In den Wehenpausen war es Meike anzusehen, dass sie das so nicht mehr lange aushalten würde. Es kam noch 1-2 Mal der Wunsch nach einem Kaiserschnitt auf, doch dafür war es zu spät. Der kleine Kopf lag fest im Geburtskanal und schaute heraus. Meike konnte ihn mit der Hand tasten und plötzlich war die Kraft zurück. Der Willen, dieses Kind heute vaginal auf die Welt zu bringen. Und mit dem Willen kam die Energie. Zwischenzeitlich verschlechterten sich die Herztöne des Babys, was sich Hebamme und Hebammenstudentin nicht anmerken ließen, um die Gebärende nicht zu verunsichern oder von ihrem Weg abzubringen. Ein kurzer Anruf und schon war ein Oberarzt zu Seite.
Wertschätzung zu jeder Zeit
Egal in welcher Situation der Geburt – ich wurde jederzeit vom Krankenhauspersonal unfassbar wertschätzend behandelt. Meine Anwesenheit schien für sie ganz selbstverständlich und absolut berechtigt. Es wurde immer wieder „Platz“ gemacht, damit ich die Geburt bestmöglich dokumentieren kann. Auch in der Situation, wo es im Kreißsaal etwas hektisch aufgrund der abfallenden Herztöne wurde, zeigte mir sogar der Oberarzt, von wo ich einen noch besseren Blick auf das Geschehen habe.
Das Unglaubliche passiert
Um 15:39 Uhr kam Jonte mit einer letzten Wehe auf natürliche Weg zur Welt. Ein unfassbar schöner Moment – Meike hatte es geschafft! Sie hatte an sich geglaubt, ihrem Körper vertraut und nach 2 Kaiserschnitten ihren dritten Sohn ganz ohne größere Eingriffe von außen, ohne Schmerzmittel, Saugglocke oder gar Dammschnitt zur Welt gebracht.
Ich selbst konnte es kaum fassen, dass es tatsächlich passiert war. Meike hat ihre Traumgeburt geschafft und ich durfte alles in Bildern festhalten. Mir lief hier vor Freude ebenfalls ein Tränchen die Wange hinunter und ich musste mich kurz sammeln, um weiterzumachen.
Alles war gut
Nachdem zuletzt seine Herztöne besorgniserregend waren, erholte sich Jonte jetzt allerdings ganz fix von dem Geburtstrubel. Die Freude in diesem Raum lag fast greifbar in der Luft. Allein, wie Hebamme Katja den kleinen Jonte direkt nach dem ersten Abrubbeln anstrahlte, bezeugt diese Stimmung. Alles war gut. Und noch viel besser.
Jetzt durfte erstmal ganz in Ruhe gekuschelt werden. Bevor ungefähr eine halbe Stunde später die Nabelschnur getrennt wurde und die Geburt der Plazenta anstand.
Entschleunigte Geburt im Krankenhaus
Auch mit der U1 wurde sich Zeit gelassen. Die fand erst ungefähr 1,5 Std. nach der Geburt statt. 1,5 ganz wertvolle Stunden, in denen Meike und Jonte Kraft tanken, sich kennenlernen und genießen durften.
Dankeschön!
Der denkbar beste Verlauf dieser Geburt ist eingetreten und ich gönne es dieser Familie von Herzen, bin unfassbar dankbar für ihr Vertrauen und die wertvollen Erfahrungen, die ich daraus mitnehmen UND hier teilen darf. *D*A*N*K*E*S*C*H*Ö*N*
Katja – Geburtshilfe aus vollstem Herzen mit Hingabe und Einfühlvermögen
Worte können nicht beschreiben, wie sehr jemand mit seinem Job verschmelzen und diesen aus tiefstem Herzen ausführen kann. Daher teile ich hier meine Eindrücke von Katja Lindner de Alvarez als Hebamme ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Nachdem wir zum 2. Mal an diesem heißen Septembertag im Kreißsaal ankamen und direkt von Katja begrüßt wurden, wussten wir direkt: das ist die Hebamme, die wir brauchen! Also in erster Linie natürlich Meike, Manuel und Jonte. Das diese Geburtsbegleitung mit Katja als Hebamme auch für mich persönlich einen großen Unterschied machen würde, hab ich da noch nicht geahnt.
Während Meike, die ebenfalls Hebamme ist, scheinbar alles vergessen hatte, was sie selbst schon so viele Male werdenden Mama‘s unter der Geburt predigte, wusste Katja genau, was Meike braucht. Vor allem waren das Geduld, Aufmerksamkeit und Zuversicht. Zuversicht, dass sie es schaffen wird. Dass sie die Kraft hat. Dass es hier und heute passieren wird. Katja strahlte dabei jederzeit Gelassenheit aus und ihre unaufdringliche gute Laune, ihr Erfahrungsschatz sowie ihr Einfühlvermögen zeichnen sie aus als Hebamme und vor allem als Mensch.
Nachdem ich anfänglich etwas Sorge hatte, dass meine Anwesenheit mit der Kamera beim medizinischen Personal nicht gut ankommen könnte, zeigte mir Katja unter der Geburt, dass meine Anwesenheit absolut berechtigt ist und ein paar Tage später bekam ich eine Mail von ihr mit folgenden Zeilen: „Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, Dich und alle Geburtsfotografen, Doulas, usw. mit offenen Armen zu empfangen. Ihr seid wichtig.“
Und als sie ihre Bilder gesehen hat, die ich von ihr unter der Geburt gemacht hatte, schrieb sie mir Folgendes:
„Wow, wow, wow!!!! Was sind denn das für Fotos! Man sieht ja jede Emotion in Meikes und in meinen Augen! Irre! Da schießen mir glatt die Tränen in die Augen. Was für einen Beruf habe ich nur!!! Ich bin platt und erlebe Meikes Kraft, Meikes Willen, die Geduld und auch Sorge des Vaters, Jontes Geburt und meine Gefühle nochmal.“
Du hast Interesse an der Geburtsfotografie oder weißt schon, dass Du das unfassbare Wunder des Geburt Deines Kindes ebenfalls in Bildern festhalten lassen willst?

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